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Der Ruf der Schlange

  

von Andreas Gößling

Genre:  Fantasy | Mystery
Reihe:  ----
Verlag:  Klett Cotta | Hobbit Press (2010)
Sprache:  deutsch
übersetzung:   ----
ISBN:  978-3608938753
Bindung:  Hardcover
Seiten:  526


Kurzbeschreibung: Ein uralter Schöpfungs- und Vernichtungszauber streckt seine schrecklichen Klauen aus: Einst war die Schlange von den Schöpfergöttern unterworfen worden. Jetzt befreit sie sich und droht die Welt zu zerreissen. Phora, die ruhmreiche dunibische Hauptstadt, im Jahr 713 neuer Zeit: Mysteriöse Todesfälle erschüttern die Öffentlichkeit. Die Opfer wurden allesamt schrecklich zugerichtet – Stammhirn und Rückgrat der Leichen sind spurlos verschwunden. Die Taten eines Wahnsinnigen,wie behauptet wird? Samu Rabov ist anderer Ansicht: Magie hebt ihr grausames Antlitz. Seit Jahrtausenden warnen spirituelle Lehren vor den »Schlangenkräften«, die in den Körpern der Menschen auf ihre Entfesselung lauern, und ebenso lange schon huldigen Schlangenanbeter in serpentistischen Orden und okkulten Riten der göttlichen Schlange und ihrer dunklen Kraft. Rabov muss Jagd auf die bereits entfesselten Schlangen machen und zudem den Zauber von Naxoda zerstören, bevor die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Die Zeit drängt.


Erster Satz:

Bei Tag und bei Nacht lag die schwarze Riesenkatze reglos in ihrem Steinholzkäfig und starrte sie beide an.


Rezension: Von diesem Buch kann man eines definitiv behaupten: irgendwie anders! Allein das Cover und die Gestaltung machen Lust aufs Lesen und nach einigen Anlaufschwierigkeiten hält der Inhalt, was sowohl das Cover als auch die Inhaltangabe versprechen. Eindrucksvoll wirkt die Schlange auf dem Cover und verdeutlicht ganz genau, was den Leser erwartet: Schlangen in Hülle und Fülle. Nebenbei erwähnt, finde ich es klasse, wenn Bücher zudem noch ein Lesezeichen enthalten, die optisch zum Buch passen. Innenseitig finden sich zwei detaillierte und sehr schöne Landkarten, einmal von Dunibien und einmal von der Stadt Phora. Eine Legende zeigt dem Leser die einzelnen Orte, die im Verlauf der Geschichte eine Rolle spielen. Eine sehr schöne Ergänzung, von dem ich selbst zwar Gebrauch gemacht habe. Allerdings mehr aus Neugier, denn notwendig war es nicht. Die Handlung ist detailliert und klar verständlich, sodass man dass Geschehen ohne Probleme nachvollziehen konnte. Die einzelnen Kapitel sind vorweg in einem Inhaltsverzeichnis zusammengefasst, weisen interessante und zutreffende Bezeichnungen auf und sind zudem mit einer Schlangenillustration versehen. Insgesamt also eine wirklich gelungene und sehr schöne Aufmachung!

In "Der Ruf der Schlange" werden Elemente der Fantasy und der Mystery vereint und der Leser erlebt eine aufregende Kriminalgeschichte. Mit Dunibien hat der Autor eine eigenständige Welt entworfen, in der es Magier, Seher und andere skurrile Gestalten gibt. Doch ist es kein klassischer Fanatasyroman mit Drachen, Hexen, Magiern und Schlössern. Vielmehr werden alte Magie und Okkultes mit moderner Technik kombiniert. Oftmals fühlte ich mich in unsere gesellschaftlichen / technischen Anfänge zurück versetzt, wenn ich von "Dampfmaschinen" und "Melodophonen" gelesen habe. Eine Welt im Umbruch, geprägt von historischer Magie, Religion und Altbewährtem sowie der Faszination der modernen Technik. Ein Konflikt, der wesentlich mit den mysteriösen Geschehnissen zu tun hat. Zudem schmückt der Autor seine fiktive Welt mit neuartigen und unbekannten Begrifflichkeiten, an die sich der Leser gewöhnen muss. Doch gerade dies rundet die Fiktion ab und erschafft eine rundum gelungene Welt.

Zusammen mit dem Protagonisten Samu A. Rabov - einem geheimen Spezialagenten im Auftrag des Königreichs - verfolgt der Leser unheimliche Morde, okkulte Vereinigungen und mysteriöse Schlangenzauber. Der einfache und doch aussagekräftige Schreibstil verhelfen dem Leser, sich schnell in der fiktiven Welt zu recht zu finden und mitzufiebern. Mitten hinein geworfen in die Handlung, wird dem Leser ein spannendes und rasantes Abenteuer geboten. Besonders Rabov wächst einem ans Herz, denn er verkörpert grandios eine Art "Anti-Helden". Widmet er seinem Leben einfach der Ausführung von Befehlen und dem Schutz des Königreichs, entdeckt Rabov, dass mehr in ihm steckt als er selbst von sich hält. So wächst er - entgegen der allgemeinen Meinung - immer wieder über sich hinaus und entwickelt sich zur letzten Hoffnung, um Dunibien vor dem Untergang zu retten. Mir hat es sehr viel Spaß gemacht seine Entwicklung vom stupiden Befehlsempfänger zum eigenständig denkenden und handelnden, selbstbewussten Charakter zu verfolgen. Und doch sind all seine Handlungen durch seine Loyalität zum Königreich geprägt, obwohl es niemand wirklich zur Kenntnis zu nehmen scheint und ihm von allen Seiten Steine in den Weg gelegt werden.

Die Nebencharaktere können sich aber auch sehen lassen. Sie alle sind interessant, facettenreich und weisen ihre eigenen Stärken und Schwächen auf. In jeden einzelnen kann sich der Leser bis zu einem gewissen Grad hineinversetzen, ohne das dabei zu viel verraten oder Spannung vorweg genommen wird. Trotzdem hätte ich mir an einigen Stellen mehr Tiefgang gewünscht. Der Leser verbleibt aufgrund der Schreibweise aus Sicht des Autors oftmals auf Distanz zu den Figuren - leider in den Passagen, wo eine tiefgründigere Erklärung bzw. ein Einblick in die Gedankenwelt des Charakters dem Leser zu einem besseren Verständnis verholfen hätte.

Die mysteriöse Mordserie selbst hält den Leser im Bann, weil von vornherein bekannt ist, dass es sich um mehr als nur einfache Morde handelt und sich hinter allem etwas Geheimnisvolles verbirgt. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass dieses Buch für Zartbesaitete eine Herausforderung sein kann. Zwar bemüht sich der Autor sichtlich, die Morde und Leichen nicht zu genau zu beschreiben und dennoch geht es sehr gruselig und blutig, zuweilen sogar recht ekelerregend zu. Mich persönlich hat dieser Umstand nicht gestört, da genau diese Details der Geschichte Authentizität und den Morden die entsprechende Bildhaftigkeit verleihen. Bis zum Ende hin bleibt es spannend und mysteriös. Das Ende selbst hingegen vermag ich nicht wirklich zu beurteilen. Einerseits hat ein offenes Ende durchaus Reiz, da sich der Leser gezwungen sieht, selbst weiter zu denken. Andererseits ist dieses Ende derart überraschend und aus dem Zusammenhang heraus gerissen, dass ich nicht wirklich etwas damit anzufangen weiß. Ich gehe mal davon aus, dass Rabov´s Mission erfolgreich war, aber ich weiß es nicht. Denn darüber schweigt sich der Autor aus. Ein für mich persönlich nicht wirklich befriedigendes Ende, aber eine bis dahin gelungene Story.

Leider muss ich auch ein wenig an dem Buch kritisieren. Zum einen wären da die vor allem im ersten Teil überhand nehmenden Rechtschreib- und Grammatikfehler, die den Leespaß trüben. Zum anderen sind einige Textpassagen sehr langatmig und überhäuft mit Schlangen, sodass es schnell zu viel des Guten wird. Allerdings nur zu Beginn des Buches, sodass ich über diese Kritikpunkte hinwegsehen und dem Buch eine Bestnote geben kann.

Insgesamt verspricht "Der Ruf der Schlange" ein einzigartiges Lesevergnügen durch die Kombination aus Fantasy- und Kriminalelementen. Ein interessantes und spannendes Abenteuer in einer ungewöhnlichen Welt. Aus diesem Grund kann ich abschließend nur bestätigen, was ich eingangs bereits erwähnt habe. Dieses Buch ist einfach einzigartig anders! Ich hoffe, dass ich bald nochmals in den Genuss eines Buches von Andreas Gößling komme, denn mir gefällt sehr, was er hier abgeliefert hat. Neuartig, anders, interessant und spannend. Den interessierten Leser möchte ich jedoch bitten, vorweg einen Blick in das Buch zu werfen, denn der Schreibstil des Autors ist definitiv nicht Jedermanns Sache. Ich selbst war anfangs auch zwei gespalten, habe das Buch aber zum Glück weiter gelesen und wurde nicht enttäuscht.

Bewertung:


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Klett-Cotta Verlag!

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