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Sturm

  

von Claudia Kern

Genre:  Fantasy
Reihe:  1. Teil Der verwaiste Thron
Verlag:  Blanvalet (2008)
Sprache:  deutsch
übersetzung:   ----
ISBN:  978-3442244201
Bindung:  Paperback
Seiten:  368


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Kurzbeschreibung: Es ist ein großer Tag für Ana, die einzige Tochter des Fürsten von Somerstorm. Ihr siebzehnter Geburtstag beginnt mit den Darbietungen von Gauklern und Schaustellern – und endet in einem Massaker an ihrer Familie! Jetzt ist Ana auf der Flucht, nur begleitet von einem Leibwächter, den sie kaum kennt und dem sie noch weniger traut. Auf Burg Somerstorm, ihrer verlorenen Heimat, herrschen nun die geheimnisvollen Nachtschatten – und der Mord an Anas Familie war nur der Anfang ihrer düsteren Pläne!


Erster Satz:

"Ich hoffe, dass der Krieg noch ganz lange dauert", sagte Craymorus.


Rezension: "Sturm - Der verwaiste Thron 1" ist der großartige Auftakt einer neuen Fantasy Reihe aus der Feder der deutschen Autorin Claudia Kern. Mit ihrem Debütroman kommt jeder Fantasyliebhaber voll auf seine Kosten. Zuerst möchte ich auf die Gestaltung des Buches eingehen. Das Cover ist sehr schön und fantasievoll und besonders gefällt mir, dass die Bücher der Reihe einheitlich daherkommen. Innenseitig ist eine Landkarte zu finden, die in ihrer Schlichtheit überzeugt. Man erhält einen Überblick und kann die Abenteuerreise der Protagonisten nachvollziehen. Ebenso ist lobenswert zu erwähnen, dass jedes Kapitel mit einem kleinen Auszug eines fiktiven zweibändigen Werkes über die Fürstentümer und Provinzen der vier Königreiche eingeleitet wird und mit einer guten Portion schwarzen Humor und Wortwitz aufwartet. Schon daran erkennt man die Kreativität und die Liebe zum Detail der Autorin. Insgesamt also eine tolle Aufmachung. Doch auch inhaltlich kann "Sturm" überzeugen.

Die Handlung teilt sich in drei einzelne Stränge, wobei jeder einem der Protagonisten gewidmet ist. Zum einen wäre da die verwöhnte Fürstentöchter Ana, die sich nach dem Blutbad in Begleitung ihres mysteriösen Leibwächters auf der Flucht befindet. Ihr Ziel ist es nach Westfall zu gelangen, um Hilfe bei der Familie ihres Verlobten und den anderen Fürstentümern zu erbitten. Nebenher erfährt der Leser etwas über Gerit, dem jüngeren Bruder von Ana, der nach dem Massaker zurückgelassen wurde und inmitten der Nachtschatten ums Überleben kämpft. Und zu guter Letzt wären da noch Rickard und Craymorus, der Verlobte von Ana und ein Gelehrter, die sich aufmachen, um Ana zu helfen und die Nachtschatten zu bezwingen. Alle drei Handlungsstränge sind verworben zu einer dramatischen und geheimnisvollen Geschichte um Macht, Intrige, Verrat und Liebe. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht zur Handlung verraten, denn das Buch sollte man selbst lesen, um mehr zu erfahren. Ich möchte lediglich darauf hinweisen, dass die Handlung mitunter brutal, gewaltätig und blutig ist und für Zartbesaitete nicht geeignet ist!

Die Handlung wird rasant vorangetrieben und der Leser begleitet die Charaktere auf ihrem abenteuerlichen Weg ohne eine einzige Länge oder an Tempo zu verlieren. Des Weiteren schafft es die Autorin immer wieder mit einer neuen, unerwarteten Wendung zu überraschen. Claudia Kern schafft zu Beginn ein Bild der Protagonisten wie es der Leser nicht anders erwartet hätte: eine verwöhnte und naive Fürstentöchter, der unbezwingbare, alleswissende und sehr geheimnissvolle Leibwächter, der gefangene und dennoch tapfere kleine Bruder in klassischer "Tragischer Held" Rolle sowie die bösen und grausamen Nachtschatten. Doch dann kommt alles anders... Die Autorin baut geschickt Klischees auf und spielt auf raffinierte Weise mit ihnen. Es gibt kein Schwarz und Weiß, sondern alles ist irgendwie grau. Und das auf sehr abwechlungsreiche Art und Weise. So fällt es dem Leser einerseits sehr leicht, sich in wirklich alle Figuren hineinzuversetzen und andererseits fällt es schwer, sich auf eine Seite zu stellen. Denn es kann keine strikte Einteilung in Gut und Böse erfolgen. Jede Seite handelt aufgrund gut nachvollziehbarer Gründe und weist eigene, logische Beweggründe auf. Und dennoch werden nicht alle (Hinter)Gründe erklärt, sodass es für den Leser im gesamten Verlauf weiterhin spannend bleibt.
Mir gefällt, dass die Charaktere nicht wie perfekte Fantasyhelden daherkommen und für jedes Problem eine Lösung haben und allzu leicht Erfolge verbuchen. Es sind interessante, ehrliche Charaktere, die damit zu kämpfen haben aus ihrem gewohnten Leben gerissen worden zu sein und sich den Problem des Alltags als auch der bösen Übermacht stellen zu müssen. Dabei sind Versagen, Leid, Schwäche und auch Tod ihre ständigen Begleiter. Und das macht meines Erachtens den Kern des Romans aus: keine über-epischen Helden, keine schicksalhaften wuchtige Schlachten, sondern realistische, normale Charaktere, die in einer kleinen überschaubaren Welt interagieren. Und dennoch verspürt man einen fantasievollen und epischen Hauch, der sich durch das gesamte Buch zieht. Trotz der interessanten Charaktergestaltung bleibt der Tiefgang aufgrund der rasanten, wenn auch spannenden Handlung auf der Strecke. Nicht immer ist für den Leser nachvollziehbar, warum der Charakter in diesem Moment so handelt oder diese und jene Entscheidung trifft. Ein Umstand, von dem ich hoffe, dass er sich in den folgenden Bänden nicht wiederholt und sich dem Leser tiefere EInblicke bieten.

Die Autorin Claudia Kern hat einen einfachen und schnörkellösen, dafür umso klareren und aufs Wesentliche beschränkten Stil. Sie schafft mühelos, dass sich detailreiche Bilder vor meinem inneren Auge etablieren. Mit wenigen, dafür gekonnt eingesetzten Worten höre ich die Mücken im Sumpfland schwirren, den eisigen Wind durch Stormwind pfeifen und das fürchterliche Knurren der Nachtschatten. So wird die Geschichte wunderbar lebendig, ohne dass der Leser durch ausschweifende Umschreibungen und überflüssige Nebensächlichkeiten abgelenkt wird.

Das Ende kommt sehr abrupt und unerwartet und es verbleiben viele offene Fragen. Warum haben die Nachtschatten ausgerechnet Stormwind überfallen? Welche Rolle spielt Craymorus mit seinem Wissen um die Nachtschatten? Was ist das Vermächtnis der Vergangenen? Wird es Ana gelingen Zuflucht und Hilfe zu finden? Was bewegt den Leibwächter zu seinem Handeln, wobei er doch ein *piep* ist? [Anmerkung: genauer kann ich die Frage nicht formulieren, aufgrund von Spoilergefahr! Diejenigen, die das Buch bereits gelesen haben, wissen, was ich meine.]

Diese und weitere Fragen beschäftigen mich nach dem Lesen des Buches. Einziger Trost ist, dass noch zwei weitere Bände folgen, in denen sich die Möglichkeit bietet, die Charaktere genauer kennen zu lernen und den Fortgang der Geschichte zu erleben. Insgesamt lässt das Buch den Leser "unbefriedigt" zurück, wenn (wie in meinem Fall) nicht Band 2 und 3 direkt zur Verfügung stehen, um sofort weiterlesen zu können. :o)

"Sturm - Der verwaiste Thron 1" verzichtet auf klassische Fantasyelemente wie mächtige Magie, epische Helden, wuchtige Schlachten und exotische Kreaturen, sondern beschränkt sich auf eine raue und nüchterne Welt mit sehr realistischen Charakteren. Es lebt von überraschenden Wendungen und dem rasanten Erzähltempo. Ein Roman mit Niveau, der Vorfreude auf die nächsten Bände macht und ein Buch deutscher Fantasy, dass sich sehen lassen kann! Ich freue mich auf die nächsten Bände und bin gespannt darauf zu erfahren, wie es weitergeht. Ein absolutes Must-Have!!!

Bewertung:


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Blanvalet Verlag!

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