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Die Drachen der Tinkerfarm
von Tad Williams und Deborah Bale

Genre: Fantasy
Reihe: 1. Teil
Verlag: Klett Cotta | Hobbit Press (2009)
Sprache: deutsch
übersetzung: Hans-Ulrich Möhring
ISBN: 978-3608938210
Bindung: Hardcover
Seiten: 384
Leseprobe
Kurzbeschreibung: O wie langweilig! Tyler und Lucinda müssen die Sommerferien auf der Farm ihres Onkels Gideon verbringen. Keine Computerspiele, keine Freunde, keine Eisdielen: sechs Wochen nur Kühe, Schafe, Pferde und Schweine - so glauben sie jedenfalls. Doch bald entdecken sie, dass die Farm im gottverlassenen Standard Valley keine gewöhnliche ist. Das Brüllen aus der Scheune stammt nicht von einer Kuh, sondern vom einem Drachen. Das donnernde Hufgetrappel im Tal? Einhörner! Ein Haufen seltsamer Knechte und Mägde, unverständliche Sprachen und magische Kräfte halten sie in Atem. Hinter dem, was zuerst noch nach einem harmlosen Abenteuer aussah, lauern dunkle Geheimnisse längst vergangener Zeiten. Werden die beiden Geschwister es schaffen, ihren Onkel und seine Frau zu retten? Ihr eigenes Leben ist in Gefahr...
Erster Satz:
Colin drückte vorsichtig die Klinke.
Rezension:
"Die Drachen der Tinkerfarm" ist der Auftakt einer neuen Fantasy Reihe aus der Feder von Tad Williams und seiner
Frau Deborah Bale. Dieses Buch zielt auf jugendliche Fanatasyliebhaber, doch kommt jeder Fan des Fantastischen
voll auf seine Kosten. Vorweg muss ich erstmal das traumhaft schöne Cover erwähnen. Die blauen Farbtöne und das Motiv
des Drachen sind ein richtiger Blickfang. Das Buch besitzt einen optischen Charme, sodass das man nicht genug davon
bekommen kann, einfach nur das Cover zu betrachten. Und es macht richtig Lust auf das bevorstehende Lesevergnügen. Die
Kapitelanfänge sind mit sehr schönen Zeichnungen versehen und insgesamt ist das Buch sehr hübsch aufgemacht.
Ferien auf einer Farm klingt für die Stadtkinder Tyler und Lucinda nicht gerade nach einem spannenden Sommer.
Allerdings kommen die Dinge meistens anders als man denkt... Der Einstieg in die Geschichte fesselt den Leser sofort.
Auf rasante Art und Weise werden die einzelnen Charaktere kurz und knackig vorgestellt und der Leser ist sofort
mittendrin. Die Figuren und die Farm sowie deren Eigenheiten werden liebevoll und detailliert
beschrieben und ermöglichen dem Leser, sich schnell zurecht zu finden.
Viele spannende Abenteuer erlebt der Leser mit Tyler und Lucinda auf der Tinkerfarm. Und zwar mittendrin statt nur dabei.
Der Schreibstil lässt einen direkt ins Geschehen abtauchen, sodass man das Buch einfach nicht aus der Hand legen kann.
Da das Buch für die Zielgruppe der Jugendlichen ausgelegt ist, sind die Handlungsstränge sehr geradlinig und der Leser
wird Stück für Stück in die Geheimnisse und Abenteuer der beiden miteinbezogen. Besonders hat mir das Bruder-Schwester-Verhältnis
gefallen, ein wesentlicher Bestandteil des Plots. Tyler und Lucinda lernen nicht nur das außergewöhnliche Farmleben, sondern
auch sich selbst besser kennen und verstehen. Die gemeinsamen Abenteuer und die mysteriösen Geheimnissen machen sie zu
Verbündeten. Die Entwicklung von zickigen, sich streitenden, teils naiven Stadtkindern zu verantwortungsvollen Jugendlichen
rundet die Geschichte ab und gibt dem Plot eine besondere Note.
Im Verlauf der Geschichte jagt ein Geheimnis das andere, dennoch schaffen es Tad Williams und seine Frau Deborah dem Leser
einige Spannungspausen zu gönnen, ohne dass es langweilig wird oder sich in die Länge zieht. Stetig wird auf den
Höhepunkt zugesteuert und in der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte nochmals an Fahrt auf.
Viele Fragen werden im Buch beantwortet, doch bleiben einige Geheimnisse weiterhin ungeklärt. Die Mischung ist den
Autoren allerdings gelungen, sodass der Leser das Buch befrieidigt zur Seite legen kann und dennoch voller Neugierde
verbleibt, wie es weiter geht und was es beuispielsweise mit dem unheimlichen Spiegel oder der seltsamen Mrs. Needle auf sich
hat. Da bereits bekannt ist, dass es der Auftakt zu einer Reihe ist, empfinde ich die noch offenen Fragen als idealen
Ausklang für das Buch und demnach auch als einen besonders interessanten Einstieg für die Fortsetzung.
Allerdings habe ich auch einmal was zu meckern. Die Figur des Onkel Gideon hat mir überhaupt nicht zugesagt. Seine
ständigen Gemütsschwankungen und das ganze Hin und Her gingen mir regelrecht auf die Nerven. Wenn er mal im Buch
auftauchte, wurde ich als Leser ständig enttäuscht. Ich konnte die Verwirrung und teilweise die Wut von Tyler und
Lucinda regelrecht nachempfinden. Wozu wird man auf eine sonderbare Farm eingeladen, wenn aber trotzdem alles streng
geheim bleiben soll bzw. man selbst im Dunkeln gelassen wird? Es war doch abzusehen, dass man nicht auf der
Tinkerfarm 6 Wochen verweilen kann, ohne etwas von den mysteriösen Vorkommnissen mitzubekommen... Und dann wäre da noch
Colin. Ein naiver, sich selbst im Weg stehender Junge, der nichts Besseres zu tun hat als sich aufzuspielen und sich selbst
viel zu wichtig zu nehmen. Jedoch bin ich gespannt, wie er sich weiter entwickeln wird und was ich noch über das
Verhältnis zu seiner Mutter erfahren darf.
Die Protagonisten Tyler und Lucinda hingegen empfand ich als authentisch, da sie ausgereifte, eigenständige Charaktere mit
ihrer ganz eigenen Sicht der Dinge sind. Ihr Handeln und Denken passen zu ihrer Person, die der Leser kennenlenrt, was
das Ganze einfach glaubwürdig macht. Nichtsdestotrotz verweilen die beiden nicht, sondern entwickeln sich weiter. Die
gesamte Geschichte enthält durch die lebevoll durchdachten Figuren und der Liebe zum Detail in Bezug auf Namen, Orte und
Fabelwesen eine Eigendynamik, die dem Leser ein grandioses Kopfkino beschert.
Dieses Buch hat mich regelrecht gefesselt und seit langem endlich wieder ein Buch, dass ich einfach nicht beiseite
legen konnte und innerhalb weniger Stunden verschlungen habe. Ich bin riesig gespannt auf eine Fortsetzung. Sollte
diese dann noch genauso spannend und fesselnd einsteigen, dann werde ich diese Reihe garantiert auf meine Must-Have
Liste setzen.
Bewertung: 

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den Klett-Cotta Verlag!

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