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Das Buch der verlorenen Dinge

  

von John Connolly

Genre:  Fantasy | Märchen
Reihe:  ----
Verlag:  List Taschenbuch Verlag (2010)
Sprache:  deutsch
übersetzung:  Claudia Feldmann
ISBN:  978-3548609225
Bindung:  Taschenbuch
Seiten:  336


Kurzbeschreibung: Als Davids Mutter nach schwerer Krankheit stirbt, verkriecht sich der Junge in seine Bücher. Bald schon fangen sie an, mit ihm zu sprechen, und im Garten vor seinem Zimmerfenster taucht immer öfter eine seltsame Gestalt auf: der »Krumme Mann«. Eines Abends folgt der Junge ihm durch einen Mauerspalt und findet sich in einem dunklen Wald wieder. Geleitet und gelockt vom »Krummen Mann« macht David sich auf die Suche nach dem König des Waldes. Von ihm wird gesagt, er besitze ein geheimnisvolles Buch, »Das Buch der verlorenen Dinge«, in dem alle Wahrheiten des Lebens aufgezeichnet seien. Endlich am Schloss des Königs angelangt, muss David erkennen, dass er dem Bösen in die Falle gegangen ist.


Erster Satz:

Es war einmal - denn so sollten alle Geschichten beginnen - ein Junge, der seine Mutter verlor.


Rezension: So recht weiß ich gar nicht, was ich zu dem Buch schreiben soll. Man bekommt das, was versprochen wird, doch anders als erwartet.

Wer kennt sie nicht, die Märchen über Rotkäppchen, Dornröschen oder Schneewittchen und die 7 Zwerge... Aber wissen wir wirklich was passiert ist? Kennen wir die wahen Hintergründe? John Connolly schafft es auf fantastische, märchenhafte, aber auch spannende und zuweilen brutale Weise, dass der Leser seine Sichtweise auf die Grimm´schen Märchen drastisch überdenkt. Geschichten in Geschichten - ein unfassbar fesselndes Unterfangen. Gekonnt werden Fantasy Elemente sowie Sagen und Fabeln mit Hilfe einer verträumten Sprache verknüpft, sodass sich ein angenehm kurzweiliges Lesevergnügen ergibt, dass den Leser in seinen Bann zieht.

Im Mittelpunkt steht David, der seine Mutter verloren hat und alsbald mit einer neuen Frau an der Seite seines Vaters und einem Stiefbruder konfrontiert wird. Ein drastischer Einschnitt im Leben eines 12jährigen. Er flüchtet sich in die Welt der Bücher, sie flüstern und locken ihn in eine abenteuerliche Welt. Die Bücher in Connollys Geschichte verfügen über einen besonderen Reiz, über Macht und Lebendigkeit. Jeder Bücherwurm wird an dieser Stelle zustimmend nicken und schmunzeln, da dem Autor diese Passagen in Bezug auf Wortwahl und Witz mehr als gelungen sind.
Doch diese Parallelwelt ist feindlich, konstruiert aus den dunkelsten Phantasien und den Ängsten der Besucher. So stellt sich David vielen Gefahren auf dem Weg vom Kind zum Mann, wobei die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit zu verwischen scheinen. Die Welt, in die David flieht, ist ebenso faszinierend wie brutal. Meiner Meinung nach kommt die Beschreibung oftmals zu kurz. Jedoch ist die Umgebung entsprechend detailliert beschrieben, wenn es darauf ankommt, einer Szene den gewissen Gruselfaktor zu verleihen. Des Öfteren hatte ich eine Gänsehaut beim Lesen aufgrund der bildlichen Darstellung.

Der Charakter David hat mir ausgesprochen gut gefallen. Jeder war mal Kind und kann sich an seine eigene kindlich naive Zeit zurück erinnern. Daran, wie oberflächlich, stur, naiv und egoistisch Kinder sein können, wie sehr sie durch irrationale Ängste und Träume beeinflusst werden - ohne sich ihres Fehlverhaltens oder der Tatsache, dass man von seinen Gefühlen beherrscht wird, bewusst zu sein. Durch seine Augen erlebt der Leser eine fremdartige Welt, stellt sich schrecklichen Monstern und meistert abenteuerliche Gefahren. Ebenso haben mir die Analogien zu den Märchen gefallen. Mit viel Humor und satirischem Witz wird die bekannte Märchenwelt auf den Kopf gestellt und es ergeben sich faszinierende und unerwartete Ereignisse für den Leser. Das Ende des Buches war gleichfalls das Highlight. Wie so oft liegt hier mehr als ein Körnchen Wahrheit und der Autor schafft es wunderbar, dass der Leser ins Grübeln kommt und sich bewusst wird, wie viel Weisheit in der Geschichte verborgen liegt. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, nicht nur gut und böse... Dieses Buch ist eine Metapher über das Erwachsenwerden und sowohl für jung und alt geeignet. Jedem, der sich nochmals auf die Suche nach seinem inneren Kind machen möchte, kann ich dieses Buch nur empfehlen.

"Das Buch der verlorenen Dinge" gehört zu den Wenigen, bei denen ich nach dem Lesen über den Buchrücken gestrichen habe und Seufzen musste. Ein Buch, was mich zum Grübeln angeregt hat und über das ich eine ganze Weile nachdenken musste, bevor ich auch nur irgendwas darüber schreiben konnte. Es ist einfach nicht möglich, den Eindruck aufs Papier zu bringen. Lest selbst und lasst euch begeistern, entführen, zum Nachdenken bewegen...

Bewertung:


Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars an den List Taschenbuch Verlag (Ullstein Buchverlage)!

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