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Wolfskuss
von Lori Handeland

Genre: Fantasy | Romance
Reihe: 1. Teil Geschöpfe der Nacht
Verlag: LYX (2008)
Sprache: deutsch
übersetzung: Patricia Woitynek
ISBN: 978-3802581533
Bindung: Paperback
Seiten: 365
zur Leseprobe
Kurzbeschreibung: Die junge Polizistin Jessie McQuade sorgt in der Kleinstadt Miniwa für Recht und Ordnung. Als sie eines Tages der Spur eines verletzten Wolfs folgt, trifft sie im Wald auf einen äußerst attraktiven jungen Mann. Kurz darauf werden mehrere Leichen gefunden, die offenbar durch Wolfsbisse ums Leben gekommen sind. Bei ihren Ermittlungen stößt Jessie auf ein düsteres Geheimnis, das alles in Frage stellt, was sie bisher zu wissen glaubte...
Erster Satz:
Der Sommer, in dem ich die Wahrheit entdeckte, war nicht schwarz-weiß, so wie ich es bevorzugte, sondern eine Palette verstörender Grauschattierungen.
Rezension:
Lori Handeland´s "Wolfskuss" ist der Auftakt zur Reihe "Geschöpfe der Nacht". Mit dieser Reihe hat die Autorin viele Fans gewonnen und
in den USA gilt sie bereits als eine der bekanntesten Autoren im Bereich der Romance Fantasy. Wer hier Verknüpfungen zu Nalini Singh
zieht, macht an sich nichts verkehrt, und dennoch gibt es einige wesentliche Unterschiede. In "Wolfskuss" sind die Werwölfe keine
verführerisch attraktiven Gestaltwandler, sondern böse Kreaturen, die nach der Weltherrschaft streben und in der Welt der Menschen
Angst und Schrecken verbreiten.
Jessie McQuade führt uns als Ich-Erzählerin durch das Buch und ist eine Protagonistin ganz nach meinem Geschmack. Selbstständig, vorlaut,
frech und keineswegs das kleine hilflose Mädchen. Besonders ihre Gedankengänge und die spitzen Bemerkungen, mit denen sie Dialoge, Personen
bzw. Situationen kommentiert, brachten mich mehrfach zum lachen. Ebenfalls sympathisch ist, dass Jessie trotz ihres offensichtlichen
Selbstvertrauens und ihres Durchsetzungsvermögens aufgrund des Jobs, ebenso oftmals Zweifel heimsuchen. So hält sie sich selbst weder für
besonders attraktiv noch besonders reizvoll in Hinblick auf die Männerwelt. Eine Figur mit sehr menschlichen Aspekten und einer
nachvollziehbaren inneren Zerissenheit zwischen Stärke und Schwäche. Daher spreche ich der Autorin hiermit ein Lob für die Entwicklung und
Gestaltung dieser Figur aus. Ich finde Jessie einfach nur Klasse! Im gleichen Zug möchte ich die gelungene Übersetzung loben, denn die
verwendete Sprache macht den Charme und den Reiz aus, der bei anderer Wortwahl wohl verloren gegangen wäre.
William Cadotte ist der männliche Part in dieser Geschichte, der die Hormone unserer lieben Jessie Karussel fahren lässt. Ich mochte die
Idee mit dem jungen Mann mittleren Alters, indianischer Herkunft, gefangen zwischen der Welt seines eigenen Volkes und den Vorurteilen der
"Weißen". Und als wäre dies nicht interessant genug, ist er auch noch ein Doktor für Geisteswissenschaften bzw. indianische Kultur und
Geschichte. Abgesehen davon ist er auch noch ungemein attraktiv und selbstsicher. Dies führt natürlich zu äußerst unterhaltsamen
Situationen und Gesprächen zwischen den beiden. Besonders gut gefallen haben mir die ersten Begegnungen der beiden. Erst der geheimnisvolle
Nackte im Wald kurz nach einem mysteriösen Autounfall mit einem Wolf und dann der adrette Experte für Totems in einem mit Büchern
vollgestopften Büro an der Uni. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, den Leser an dieser Situationskomik durch Jessies sarkastische
Gedankengänge teilhaben zu lassen. Interessant ist der Charakter Will durchaus, aber leider bleibt er zu einem gewissen Teil undurchsichtig
und es mangelt durch die Ich-Perspektive von Jessie an genügend Tiefgang, um all seine Handlungen nachvollziehen zu können. Im Gegenzug
macht dieser Mangel an Wissen, die Figur auch geheimnisvoll für den Leser. Trotzdem bleibt bei mir ein kleiner fader Nachgeschmack der
Unglaubwürdigkeit. Ich weiß zwar nicht, wie es in den USA ausschaut, aber in meinem Studium ist mir leider kein junger, dynamischer und
gut aussehend exotischer Professor über den Weg gelaufen. Die Realität sieht da leider doch anders aus.
Die Anziehungskraft zwischen den beiden ist von Anfang an sehr stark und dementsprechend entwickelt sich ihre Beziehung rasant und explosiv.
Das sorgt für den nötigen erotischen Touch. Allerdings hat es mich doch ein ganz kleines Bisschen gestört, dass Jessie und Will ohne großes
Hin und Her recht früh im Verlauf der Geschichte über einander herfallen. Aber die Autorin hat sich in diesem Fall nicht mit nebensächlichem
Geplänkel aufgehalten, sondern treibt rasant ihre spannende Werwolfgeschichte voran. Als es im Verlauf der Geschichte darum geht, welche Rolle
Will in Bezug auf die Werwölfe wirklich spielt, ist Jessie hin- und hergerissen zwischen ihrer Leidenschaft zu Will und ihrem Misstrauen.
Trotzdem verfällt sie ihm sprichwörtlich immer wieder. Gefühle, insbesondere Leidenschaft, können sehr starke Auswirkungen haben, aber Jessie
ändert ihre Meinung innerhalb von Sekunden von einem Extrem ins andere. Ich finde diesen inneren Kampf, in den der Leser aufgrund der
Ich-Perspektive tiefgründig Einblick erhält, besonders gelungen. Dem Leser bleit kein Gefühl oder Gedanke verborgen, was ihm Jessie sehr
nah bringt. Im Gegenzug dazu finde ich, dass Will´s Rolle zu wenig Bedeutung bekommen hat. Er ist Jessies Lover, hilft ihr beim Kampf gegen
die Werwölfe und versucht sie zu beschützen... Aber die Hintergründe bleiben für den Leser undurchsichtig und an sich war das auch schon der
Hauptbestandteil seiner ihm zugeteilten Rolle. Für meinen Geschmack fehlt ihm das Besondere. Ich denke, dass ich in dieser Hinsicht durch Nalini
Singh und ihre Gestaltwandler beeinflusst bin und einen "guten Werwolf" erwartet habe.
Angesehen von den insgesamt gelungenen Charakteren bietet "Wolfskuss" eine sehr spannende und aufregende Story mit abwechslungsreichen und
überraschenden Momenten. Als sehr gelungen empfand ich die Einwebung der indianischen Geschichte und Stammeskultur, die der Geschichte und
den Charakteren eine geheimnisvolle Aura verleiht. Auch die geheimnisvolle Organisation der Jäger-Sucher mit dem kauzigen alten Mandenauer als
Chef verleiht der Geschichte eine besonderen Reiz. Des Weiteren empfand ich die Hintergründe zur Entstehung der Werwölfe und den Bezug zu
Nazi-Experimenten als eine originelle Idee.
Ebenso ist es der Autorin sehr gut gelungen, den Leser oftmals auf eine falsche Spur
zu locken, sodass man sich immer wieder fragt, was noch alles dahinter steckt und inwiefern es mit den Werwölfen zu tun hat. Der Plot in
Bezug auf die Werwölfe ist gut durchdacht und wird dem Leser Stück für Stück offenbart, ohne das langatmige Textpassagen den Lesefluss
stören oder Spannung verloren geht. In meinem Fall hat es Lori Handeland geschafft, mich mit der Auflösung zu überraschen. Trotz der
simplen und reichlich gestreuten Hinweise, wäre ich gerade wegen dieser Offensichtlichkeit nie darauf gekommen, wer wirklich der Drahtzieher
der Werwölfe ist.
Insgesamt ein wunderbares Buch, dass alle mir beliebten Elemente vereint: fantastische Wesen, der Kampf zwischen Gut und Böse, eine
Liebesgeschichte und eine absolut geniale Romanheldin. Ein gelungener Serienauftakt, der von mir das Prädikat absolut lesenswert erhält.
Ich kann dieses Buch nur empfehlen und freue mich darauf, die Serie weiter zu verfolgen.
Bewertung: 

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